hier findet ihr einige fotos zu den bibliothekstagen 2008 in mannheim:
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| bibliothekstage_2008 |
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ich habe bereits angekündigt, mich noch einmal dem thema geschlechtergerechter sprache in bibliotheken zu beschäftigen. eigentlich wollte ich mögliche praxen vorschlagen, wie mit der bezeichnung “bibliothekartag” umgegangen werden kann. herausgekommen ist ein etwas längerer text, den ich an den anfang einer reihe zum thema “geschlechtergerechte sprache in bibliotheken” stellen möchte. ich werde mir onlinekataloge, bibliotheksbeschilderungen, … in der nächsten zeit etwas genauer ansehen und auf veränderungsmöglichkeiten hinweisen. ich möchte damit eine diskussion und vor allem einen prozess der veränderung anregen. ich sehe mich dabei in der tradition feministischer sprachkritiken, die
sich aktiv gegen eine Diskriminierung von Frauen als ‘Untersuchungsobjekte’ wenden und sich aus ihnen sowohl Gesellschaftskritik als auch der Wunsch nach Veränderungen ableiten läßt [...]. (hornscheidt 2000; S. 277)
Sprachliche Normsetzungen stellen sprach- und machtpolitische Handlungen dar. Der Gebrauch der Sprache in unserer Gesellschaft ist an männliche Wertvorstellungen orientiert und diskriminiert zugleich Frauen in mehrfacher Weise. (klösch-melliwa; s. 446)
zu den zentralen aufgaben von bibliotheken gehören das analysieren, erschließen und ordnen von medien bzw. informationen. um diesen aufgaben gerecht zu werden, gehört eine intensive auseinandersetzung mit sprache zu den wichtigen grundlagen der arbeit in bibliotheken.
um so verwunderlicher ist es, dass der tägliche umgang mit sprache im bibliothekswesen beim indexieren, verschlagworten, klassifizieren oder beim anlegen eines neuen benutzer_innenkontos nicht zu einer intensiven auseinandersetzung mit normierungs- und normalisierungsprozessen durch die verwendung von sprache führt bzw. führte. so gehört die verwendung des generischen maskulinums für einen (sehr) großen teil des deutschsprachigen bibliothekswesens, immer noch (2008!!!) zur tagesordung.
auf vereinzelte interventionsversuche und auf die deutlich formulierte kritik an der verwendung sexistischer sprache im bibliothekswesen wurde bisher eher abweisend begegnet. das lässt sich an dem beispiel des offenen briefs von dagmar jank verdeutlichen, in dem sie eine überprüfung der schlagwortnormdatei und der regeln für den schlagwortkatalog unter berücksichtigung geschlechter- bzw. frauengerechter sprache einforderte. dieter ahlhelm und friedrich geißelmann erregte dieser brief zu einer reaktion, in der abwehrhaltungen und “großartige” gegenargumentationen bestaunt werden können. hier meine lieblingszitate aus dieser erwiderung:
Das [die Berücksichtigung von geschlechtergerechter Sprache und die Ablehnung des generischen Masulinums] würde eine kaum vertretbare Aufblähung von Katalogen und Bibliographien zur Folge haben. (ahlhelm; geißelmann; s. 1805)
Die Geschlechterbeziehung ist in der Literatur doch weit weniger gewichtig als dies bei der abstrakten Durchforstung der SWD auf frauengerechte Sprache von Frau Jank angenommen wird. (ahlhelm; geißelmann; s. 1806)
Wenn der Vorschlag auch für die Tiere gelten sollte – und warum auch nicht – dann würde ein Buch über den Schäferhund unter den Schlagwörtern “Schäferhündin” und “Schäferhund” zu finden sein. (ahlhelm; geißelmann; s. 1806)
Der kühne Vorschlag Frau Janks zu feministischen (!) Varianten von Komposita führen zu eigenartigen Verbindungen: Architektinnenhaus, Beamtinnenrecht, Bibliothekarinnenausbildung, Lehrerinnenfortbildung (auch SWD: Lehrerinnenbildung!) aber auch – bei der Einbeziehung von Tieren – nicht nur zur Katzenkrankheit, sondern auch zur Katerkrankheit. Genügen diese Beispiele, oder soll man eine Ablehnung auch noch begründen. (ahlhelm; geißelmann; s. 1807)
Es gibt auch noch genügend andere, notwendige und dringende Aufgaben. (ahlhelm; geißelmann; s. 1808 )
ich möchte, an dieser stelle, nicht weiter auf diese “argumente” eingehen. ich denke, dass einige dieser gegenreden auch die heutige diskussion um die veränderung von sprach- und sprechverhalten bestimmen. und sich die muster dieser reaktionen sehr gleichen.
Solche sexistischen Abwehrhaltungen werden durch stets gleiche Strategien und Formulierungen abgesichert: Ironie, Verächtlichmachen oder auch Zweifel an der Kompetenz von Kritikerinnen. (klösch-melliwa, s. 446f.)
Neben diesen gönnerhaften Belehrungen, dass es wohl Wichtigeres gebe als sprachliche Gleichbehandlung, gehört zusätzlich das Problematisieren und Erschweren eines alternativen nicht-sexistischen Sprachgebrauchszum Repertoire der Diskriminierungsstrategien. (klösch-melliwa, s. 447)
der oben dargestellte briefwechsel liegt nun mittlerweile 17 jahre zurück und trotzdem lassen sich maskulinistische (berufs)bezeichnungen immer noch an zentralen punkten des bibliothekswesen finden. das ist um so mehr verwunderlicher, da gerade im öffentlichen dienst, in der politik und auch im wissenschaftsbetrieb in den letzten jahren ein umdenken stattgefunden hat.
Geschlechtergerechte “Sprache ist wichtig, denn „mitmeinen“ (z.B. „Wenn ich Kollegen sage, dann meine ich Männer und Frauen“) reicht nicht, wenn sich alle betroffen fühlen sollen: Nur wenn Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen werden, werden sie von den Lesenden und Zuhörenden auch mitgedacht. (gindl; czepa; s. 1)
die diskussionen innerhalb der feministischen sprachkritiken sind heterogen. so sollen zum beispiel “frauen” als ergebnis der veränderung von sprache sichtbarer gemacht werden und nicht mehr nur mitgemeint sein. oder aus queerfeministischen perspektiven wird durch die verwendung des unterstrichs die konstruktion von zweigeschlechtlichkeit durch sprache sichbar (vgl. herrmann).
mittlerweile wird eine vielzahl an hilfen zur verfügung gestellt, die eine beschäftigung mit nichtsexistischer sprachverwendung, jenseits einer angst vor der “feministischen (!)” “schäferhündin”, ermöglichen. ich erwähne hier nur einige exemplarisch: leitfaden für geschlechtergerechtes formulieren (pdf), “… denn nicht jeder ist eine frau …” (pdf) oder die broschüre zur sprachliche[n] gleichbehandlung von frauen und männern.
ansätze und vorschläge zur vermeidung des generischem maskulinums sind also genügend vorhanden. gehen wir es also an. führen wir eine diskussion zur verwendung des generischen maskulinums “bibliothekartag”.
die einfachste lösung für diese wichtige veranstaltung wäre die bezeichnung “bibliothekstage”. sicherlich ist es mit einer bloßen umbenennung nicht getan, wenn sich in den köpfen nichts ändert. hier besteht meiner meinung nach noch viel schulungs- und gesprächsbedarf. auch wenn sich erfreulicherweise bei der genaueren betrachtung der homepage zu diesem wichtigen treffen des bibliothekswesens erste momente eines umdenkens aufzeigen lassen. so fand im grußwort der “veranstalter” die doppelnennung eingang, dort lautet die ansprache “Liebe Bibliothekarinnen und Bibliothekare, liebe Gäste”. sonst steht für die gestaltung des webauftrittes noch viel arbeit an, wie die folgenden beispielhaften screenshots des webauftritts zeigen:
was bleibt zu tun? hier ein paar vorschläge für die anregung zu einer diskussion:
was fallen euch noch für handlungsmöglichkeiten ein?
verwendete literatur:
nächste folge: geschlechtergerechte sprache in bibliotheken : 2. der opac der ub (humboldt-universität)
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