betzha-ottenstein-preis für queeres buchprojekt

die badische zeitung meldet, dass das buchprojekt “queere (t)ex(t)perimente” beim freiburger dies universitatis ausgezeichnet wurde.

Auch der Bertha-Ottenstein-Preis (5000 Euro) ging an Studierende – die drei Gender-Studies-Studentinnen Jennifer Moos, Franziska Bergmann und Claudia Münzing wurden für die Herausgabe des Sammelbands “queere (t)ex(t)perimente” ausgezeichnet, in dem sich Wissenschaft und Kunst und Theorie und Praxis mischen. (badische zeitung)

herzlichen glückwunsch an die herausgeber_innen des transdisziplinären projektes.

keinbuch – nichts für den bibliotheksbestand?!

KeinBuch

KeinBuch

am 20.03.2009 berichteten elke hofmann und christian schmitt im deutschlandradio kultur unter dem titel eselsohren erlaubt über das buch “kein buch“.

das taschenbuch keinbuch lädt unter dem motto “nicht lesen – machen” die nutzer_innen ein, sich einmal ganz anders mit dem medium buch auseinander zu setzen. im radiobeitrag wirft die  bibliothekarin ute wolter,  die als testperson agiert, das buch an die wand, zerreißt buchseiten oder  tackert seiten zusammen.

Keine Eselsohren, bloß keine Fettflecken, nicht verknicken und bitte auf gar keinen Fall mit Wasser in Berührung bringen! So ein Quatsch.

Für das KeinBuch gelten keine Verbote. Es will benutzt werden und soll hinterher auch so aussehen. KeinBuch, das sind: 86 Dinge, die du schon immer mit einem Buch tun wolltest, aber nie durftest. 86 Dinge, die dein Leben verändern werden. (homepage)

die besitzer_innen des keinbuchs dokumentieren auf youtube die umsetzung der 86 anweisungen. hier zum beispiel wird keinbuch gasi geführt:

bisher findet sich das buch in nicht allzuvielen bibliotheken. eine rechreche im kvk ergab lediglich 2 deutschsprachige bibliotheken, die das buch in ihrem bestand führen. auch der berliner verbund der öffentlichen bibliotheken hat leider bisher noch kein exemplar zur benutzung erworben. warum nur?

heimliche leser_innen in der ddr

im anschluss an die konferenz “der heimlicher leser” erschien im ch. links verlag ein sammelband zur konferenz mit dem untertitel “kontrolle und verbreitung unerlaubter literatur”.  antje weger bespricht in der märkischen allgemeinen das buch und schreibt:

Beleuchtet wird ebenfalls, wie die Kontrolle in den Bibliotheken funktioniert. Dort sind eigens sogenannte Giftschränke, die „Abteilung für spezielle Forschungsliteratur“, kurz „ASF“, eingerichtet. Der Zugang wird streng überwacht. Der spätere Schriftsteller Siegmar Faust verdingt sich in der Leipziger Deutschen Bücherei gar als Nachtwächter, um heimlich seinen Lesehunger auf Verbotenes stillen zu können.

dieses buch scheint sich für alle zu lohnen, die sich mit ddr-alltagskultur, lesekultur und zensur in bibliotheken beschäftigen. ich habe es mir schon in der bibliothek bestellt.

  • Siegfried Lokatis/ Ingrid Sonntag (Hg.): Heimliche Leser in der DDR. Kontrolle und Verbreitung unerlaubter Literatur. Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-494-5.

gestank vs. wohlgeruch oder bibliotheken vs. internet

sehen - wos stinkt

sehen - wo's stinkt

rasee takana gehört zur “ersten Generation Volljähriger, die sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen kann.” zu der gehöre ich auch und trotzdem kann ich mit dem text, den resee takana im kölner stadtanzeiger veröffentlicht hat, nichts anfangen. auch wenn ich auf diesen im volltext zugreifen kann, ohne “zur Bücherei zu marschieren”.

die autorin erliegt dem blinden glauben, dass “man auch alles online viel schneller haben kann?” und sich der beschwerliche weg in die bibliotheken generell erübrigt. neben dem bequemeren zugang (zum internet) spricht für die verfasserin der geruch gestank in bibliotheken gegen eine benutzung:

Und dann noch der Gestank. Schon als Kind fand ich diese dicken alten Schinken einfach nur eklig. Diese Leute, die mir ständig erzählen, wie toll der Geruch von 1000 Blatt Papier sei; wie sinnlich das Gefühl des Umblätterns von Papier im Gegensatz zum Internet-Scrollen – die gehen mir einfach auf den Keks. Waren die eigentlich noch nie in einer Parfümerie?

sicherlich kann es auch sein, dass rasee takana an dem tag, an dem die mitschüler_innen ihrer schulklasse während eines besuchs in der bibliothek die grundlagen der benutzung kennenlernen durften, nicht mit dabei war. und so stellt sie verzweifelt fest:

Verloren in der Bibliothek stehe ich da, umgeben von unzähligen Regalen, und suche vergeblich nach einem Buch. Es stehe im Regal SIMV IV, hieß es. Bitte ich um Hilfe, so erhalte ich Codes, die sich „gleich hinten, um die Ecke“ befinden sollen.

auch die bücher, die in der stinkigen bibliothek herumstehen bereiten rasee, als vertreter_in der internetgeneration, große probleme:

Während ich in der Bibliothek für meine Facharbeiten nur Wälzer mit fremdwort-gespickten Bandwurmsätzen finde, legt mir das Internet eine Auswahl verschiedener literarischer Genres vor, vom Interview bis zum Diskussions-Forum, in dem man Experten fragen kann.

nase zu und durch!

nase zu und durch!

versöhnt wird die autor_in erst, als sie

[a]m Ende der Regalschluchten [...] auf einmal Licht [sieht]. Da steht ein Computer! Bücher hin oder her, am Ende lande ich doch wieder im Internet, sogar im Heiligtum des bedruckten Papiers. Warum denn nicht gleich!

scheinbar braucht es mehr und intensivere zusammenarbeit von bibliotheken mit allen bildungseinrichtungen und intensive  öffentliche kampagnen zu den angebote von bibliotheken gegenüber einiger (nicht)nutzer_innen. wäre rasee takana zum schreiben des textes in eine der kölner bibliotheken gegangen und wäre sie nicht nur den quellen ihrer internetrecherechen und ihrem antiquierten bibliotheksbild gefolgt, wie hätte dieser text dann ausgesehen?

nachtrag alpha oder beta – neue und alte feminismen im streit

unter dem titel “niedliche feministinnen: die etablierte genderforschung hält „alphamädchen“ für unpolitisch – und sieht sie als werkzeuge neoliberaler kräfte” berichtet im tagesspiegels am 21.05. amory burchard von der diskussion zum thema “feminismus heute”. ich hatte über diese veranstaltung hier bereits berichtet.

findet hier etwas eine ähnliche (notwendige??) auseinandersetzung statt, wie die von chris köver beschriebene aktuelle debatte zwischen alice schwarzer und den “neuen feministinnen”?

Diese Meinungsverschiedenheiten und das gegenseitige Abarbeiten aneinander machen das Arbeiten manchmal verdammt anstrengend. Aber sie sind notwendiger Teil des Feminismus und wir wollen sie nicht missen. (Dumm gelaufen)

findet ein dem feminismus innewohnendes abarbeiten statt oder geht es um die klare abgrenzungen und das recht auf definitionsmacht für einen nicht definierbaren begriff? was meint ihr? worum geht es im streit um die bedeutung von feminismus? was ist der bruch zwischen schwarzers feminismus und den akademischen feminismen und zischen den “neuen” feminismen (feminismus 2.0), der diese heißen debatten auslöst?

ps: schade, dass HOT TOPIC herausgegeben von sonja eismann so selten in einem atemzug mit diesen neueren feministischen publikationen erwähnt wird.

“freizeitmaschine” in tempelhof – bücher statt flieger???

nach der heutigen niederlage der “tempelhofritter_innen” beim ersten berliner volksentscheid, bleibt die frage nach der weiteren nutzung des flughafengeländes offen.

flughafen tempelhof (vogelperspektive von tim pritlove bei flickr)

ich würde mich freuen, wenn der zentral- und landesbibliothek berlin (zlb) einige gebäude auf dem gelände zur verfügung gestellt werden würden. durch die ansiedlung der berliner landesbibliothek mit ihrer umfangreichen sammlung zum thema berlin dürfte auch für die nostalgischen flughafenbefürworter_innen ein ort der erinnerung und des gedenkens entstehen. das bücher und fliegen ganz leicht zusammen denkbar sind, lässt sich mit diesem bild wohl am besten verdeutlichen:

buch mit flügeln flickr by Greg Headley

außerdem steht, meiner meinung nach, die zusammenführung der beiden häuser der zlb seit einiger zeit aus und im drittgrößten gebäude der welt sollte doch platz für die meistbesuchte kultur- und bildungseinrichtung der stadt sein. und hoffentlich findet im fall der fälle eines umzugs das buch “die bibliothek” von umberto eco bei der planung des flughafenbibliotheksgeländes berücksichtigung. dort heißt es:

“Wenn also die Bibliothek, wie es Borges will, ein Modell des Universums ist, so sollten wir versuchen, sie in ein dem Menschen gemäßes Universum zu verwandeln, und dem Menschen gemäß, ich wiederhole es, heißt auch fröhlich, auch mit der Möglichkeit, einen Kaffee zu trinken, auch mit der Möglichkeit, daß Studentenpärchen einen Nachmittag lang auf dem Sofa sitzen können, nicht um sich dort abzuknutschen,sondern um einen Teil ihres Flirts zwischen Büchern auszuleben, Büchern von wissenschaftlichem Interesse,die sie sich aus den Regalen holen und wieder zurückstellen. Mit einem Wort: eine lustvolle Bibliothek,in die man gerne geht und die sich allmählich in eine große Freizeitmaschine verwandelt, wie das Museum of Modern Art in New York, wo man ins Kino gehen, durch den Garten schlendern, die Statuen betrachten und eine komplette Mahlzeit einnehmen kann.” (Eco: Die Bibliothek. München 1987, S. 38).

freie bücher lesen – der neue roman von cory doctorow

die taz (uh-young kim) veröffentlichte am 29.10.2007 das interview “Ich bin doch kein Info-Hippie”. befragt wird cory doctorow, co-autor des berühmten blogs boing boing und autor einiger bücher unter creative commons lizenz. aussagen wie diese lese ich auf jeden fall gern:

“Ich bin doch kein Info-Hippie. Zunächst verteile ich meine Geschichten kostenlos im Netz, weil ich so viele Bücher wie möglich verkaufen und steinreich werden will. Aber es gibt noch andere Gründe. Künstlerisch sehe ich das Kopieren als integrale Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts an. Nie war es jedoch so schwierig, etwas zu kopieren. Durch den DRM-Kopierschutz werden innovative Impulse verhindert.”

da die übersetzung seines neuen romans “backup” zum kostenlossen download angeboten wird, muss meine magisterarbeit noch etwas warten. ;-) und ich versuche nun meinen ersten roman nur am bildschirm zu lesen.

hier der anfang des buches “Ich lebte lange genug, um in den Genuss der Unsterblichkeit zu gelangen; um den Aufstieg der Bitchun Society zu verfolgen; um zehn Sprachen zu lernen; um drei Symphonien zu komponieren; um meinen Kindheitstraum zu verwirklichen und mich in Disney World niederzulassen; um die Arbeit und die Arbeitsplätze sterben zu sehen*.”

für diejenigen, die keine zeit und lust zum lesen haben – findet sich hier ein video zum interview des elektronischen reporters mit cory doctorow (gefunden bei netzpolitik.org).

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