wollen wir se rein lasse? – bildungsstreik und bibliotheken oder schweigen im bücherwald?

es ist unglaublich ruhig in den bibliotheken und in der biblioblogo/twittersphäre wenn es um den aktuell laufenden bildungsstreik geht. ich stelle mir dabei die gleiche frage wie libpirat:

kein bock auf bildungsstreik

kein bock auf bildungsstreik

bibliotheken propagieren seit jahren ein wichtiger ort für bildung und für den erwerb von (informations)kompetenzen zu sein. nun gehen diejenigen auf die straße, die zu den hauptnutzer_innen von vielen bibliotheken zählen und bieten inhaltliche steilvorlagen für bibliotheken in ihren forderungen. so fordern die studierenden an der humboldt-universität konkret:

Mehr Bücher und Dubletten für das Grimmzentrum! Für die Beibehaltung der
bisher gültigen Ausleihmodalitäten und die Ausweitung der Öffnungszeiten (Quelle)

oder der tagesspiegel berichtet:

Im Innenhof der HU hängen Studierende am Vormittag ihre Forderungen an eine symbolische „Klagemauer“: „Mehr Bücher für die Bibliotheken“ steht da auf kleinen Zetteln, „Anwesenheit muss freiwillig sein“, „Engagierte Dozenten“ oder „Früher war alles besser“.

doch was passiert in den bibliotheken? gibt es bibliotheken, die ihre räume den streikenden zur verfügung stellen? gibt es den dialog zwischen den bibliotheksleitungen und den streikenden? gibt es evtl. veranstaltungen zu fragen des wissens und der bildung im informationszeitalter, die von bibliothekar_innen im streik angeboten wurden? – oder herrscht ein schweigen im bücherwald, dem tempel des wissens, dem ort der bildung?

tech pi und mali bu vermitteln informationskompetenz für kinder

screenshot

tech pi und mali bui – ein außerirdisches wesen und ein schmetterling treten an, um grundschüler_innen informationskompetenz näher zu bringen. so führt zum beispiel die geschichte das inforadar in die grundlagen der recherche und in die bewertung von informationsquellen ein. klar – das dabei bibliotheken auch eine rolle spielen. ;-)

Lehrkräfte können das Modul “Das Inforadar” kostenfrei nutzen. Nach einer einfachen Registrierung stehen neben der Themengeschichte mit den Lernaufgaben weitere Werkzeuge zur Verfügung. Lehrkräfte können beispielsweise eigene Aufgaben in die Umgebung integrieren. Die Lernenden haben dann die Möglichkeit, diese Aufgaben mit eigenen Notizen, Dokumenten, Bildern und Tönen zu verknüpfen. Diese Notizen können wiederum von Mitschülerinnen und Mitschülern kommentiert werden. So lernen die Kinder nebenbei auch die Möglichkeiten des Web 2.0 in einem geschützten Raum kennen. (bildungsklick)

universität der zukunft – männerbund der zukunft??

hier ein video zur idee der männerbündischen universität der zukunft:

power teaching – die lernmethode für die glücklichen lehrer_innen

tafel 1 by eisenrah (flickr)

tafel 1 by eisenrah (flickr)

wie jeden sonntag telefoniere ich mit meiner mutter und bekomme neben einigen neuigkeiten aus der familie hier und da einen hinweis auf das allerneueste in sachen lernen und lehren.

ich habe mir auf empfehlung meiner mutter die videos zum power teaching angesehen. diese methode wurde 1999 von chris biffle, jay vanderfin und chris rekstad entwickelt und soll lernende in jedem alter beim lernen mit spass unterstützen.

At the root of Power Teaching is a large amount of highly structured, educational tomfoolery. Students learn the most when they are having fun. Power Teaching classrooms are full of task-focused laughter. Humor and games are used to increase the number of times students repeat core information and practice basic skills. Our classes are highly disciplined and tightly organized because students have more fun following our rules, than ignoring them.

die fünf regeln, die mit dieser methode verbunden sind, lauten:

RULE ABOVE ALL RULES: RESPECT EVERYONE
Rule 1: Follow directions quickly!
Rule 2: Raise your hand for permission to speak.
Rule 3: Raise your hand for permission to leave your seat.
Rule 4: Make smart choices.
Rule 5: Keep your dear teacher happy. (Quelle; S. 39)

ich bin mir noch nicht sicher, was ich von dieser lernmethode halten soll. ich habe ähnliche bedenken, wie christian czaputa, was die ausrichtung als disziplinierungsstrategie betrifft und ich denke, dass diese methode nicht für alle lerninhalte anwendbar ist. ich kann mir aber vorstellen, dass sich mit dieser methode z.B. merksätze oder komplexe zusammenhänge leichter und vor allem mit spass einprägen lassen. mich würden erfahrungsberichte mit power teaching im deutschsprachigen raum interessieren. wer nutzt wofür diesen ansatz?

für den bibliothekarischen bereich bietet power teaching eine gute möglichkeit etwas lebhaftere opac-schulung oder recherchekurse anzubieten. :-)

zwischen lavendel und rosmarin – die kanzlerin geht auf bildungstour

angela merkel begibt sich auf eine bildungstour durch ihr pisagebeugtes land die linkszeitung nennt diese tour des wissens “nutzlosen aktionismus“. aber die kanzlerin weiß,

[i]m 21. Jahrhundert ist es nicht mehr so, wie es früher einmal war: Man geht in die Schule, man macht eine Berufsausbildung, man ergreift einen Beruf, und dann ist es mit der Bildung und dem Lernen vorbei. Sondern heute ist es so, dass Lernen und Bildung ein lebenslanger Prozess sind. (textversion des videopodcastbildung ist ein schlüsselthema“)

kräuter auf dem winterfeldplatz

kräuter auf dem winterfeldplatz

und trotz dieses wissens besucht die kanzlerin vom 21.08. bis 09.10. nur die klassischen bildungseinrichtungen (kitas, schulen, hochschulen, fachhochschulen, …).

es fehlen unter anderem besuche bei den wichtigen bildungsinstanzen des 21. jahrhunderts, wie z.b. bei der wikipedia, die sich von institutionellen lernformen der besuchten einrichtungen wesentlich unterscheiden. neue lernformen scheinen die regierende nicht zu interessieren, denn selbst gesteuertes, informelles, kooperatives lernen passen der kanzlerin wohl nicht in ihren klassischen bildungsbegriff.

und angela merkel vergisst bei ihrer wissenstour sogar noch eine, ganz besonders wichtige bildungseinrichtung. diese scheint gerade für den bezug zum lebenslangen lernen, der integration und dem motto “bildung für alle” geradezu prädestiniert für einen besuch der regierenden.

nein – ich meine nicht den kräutergarten des schulgartens und auch nicht den botanischen garten. nein – ich meine nicht die museen, mit ausgestellten herbarien. nein – ich meine nicht die volkshochschulen mit ihren angeboten zum kochen oder zur kräuterkunde. nein – ich meine nicht den wochenmarkt mit den vielen angeboten an kräutern. ich meine die vielen öffentlichen und wissenschaftlichen bibliotheken.

rosmarin auf dem winterfeldplatz

rosmarin auf dem winterfeldplatz

dort könnte sich die kanzlerin als “Garten- und Pflanzenfan” auch dem lebenslangen lernen widmen und in einem lexikon in buchform oder auch online die große welt der küchenkräuter besser kennen lernen. hätte sie diese kultur- und bildungseinrichtung und die dort gebündelten angebote genutzt, hätte sie sich die folgenden meldungen sicherlich erspart:

die heilpflanze des jahres verzeiht der kanzlerin sicherlich ihren kleinen “fehler vom amt” und auch der rosmarin wird erbarmen haben. doch unverzeihlich sind die auslassungen der kanzlerin auf ihrer bildungsreise. immerhin behauptet sie in ihrer videobotschaft:

Ich möchte – weil „Wohlstand für alle“ heute heißt: „Bildung für alle“ –, dass aus Deutschland eine Bildungsrepublik wird.

wenn museen, achive und bibliotheken nicht stärker in den fokus der politik und geraten und nicht als notwendige bildungs- und kultureinrichtungen stärker finanziell und ideell gefördert werden, bleibt es nicht nur beim lustigen verwechseln von küchenkräutern, sondern …

ach ja – selbstverständlich sind auch bibliotheken gefordert, die kanzlerin einzuladen.

gartenblumen von ronile35

gartenblumen von ronile35

ach – wenn es doch nur der bücherwurm wäre – die taz berichtet vom zustand der öffentlichen bibliotheken in berlin

Bookworm, almos done by justjk (flickr)

in der heutigen ausgabe der taz berichtet joanna itzek in dem beitrag “da ist der bücherwurm drin” über die lage der öffentlichen bibliotheken in berlin:

Die Berliner sind Bibliothekenfans. Mehr als 18 Millionen Medien, neben Büchern auch CDs und DVDs, haben sie 2007 ausgeliehen. Das geht aus dem noch unveröffentlichten Jahresbericht der Berliner Bibliotheken für das Jahr 2007 hervor. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr. Doch gleichzeitig klagen die Bibliotheken über niedrige Etats – sie waren gezwungen, Personal zu sparen, Standorte zu schließen und die Öffnungszeiten zu verkürzen.

mir bleibt nur zu hoffen, dass den politischen entscheidungsträger_innen in berlin langsam bewusst wird, dass sie es sich auf dauer nicht leisten können bildungseinrichtungen, wie bibliotheken, schulen und universitäten, kaputt zu sparen. und sie statt lippenbekenntnissen nach den regelmäßigen pisastudien endlich einmal zur tat schreiten um das bibliothekssterben zu stoppen und bildungsförderung für alle auf die politische agenda zu holen.

rapucation – sprechgesang rockt die bildung an den grundschulen

bibliotan und taz berichten gestern über das projekt “rapucation“, dass rapmusik zur vermittlung von faktenwissen einsetzt.

Die Mnemotechnik Eselsbrücke wird seit Jahrzehnten benutzt, um mit Hilfe von Reimstrukturen und emotionalen Assoziationen die Merkbarkeit bestimmter Inhalte zu erleichtern.
Im konkreten Fall der Rapucation-Songs sind die Fakten zusätzlich in einem logischen inhaltlichen Aufbau eingebettet. Die raptypische Songstruktur mit Strophen, Refrains und Zwischenteilen sowie die Verbindung zwischen Musik und Sprachfluss helfen ebenso, das Einprägen von unterrichtsrelevantem Wissen auf attraktive Weise zu erhöhen. (homepage repucation)

mit rapucation und rap macht schule rocken rapen mittlerweile zwei projekte die schulen und kommen mit ihren konzepten bei den lerner_innen sehr gut an. im gegensatz zu rapucation, die rap zur lernhilfe verwenden, fordern doppel-u in ihrem projekt die mitarbeit der schüler_innen heraus, in dem sie  schüler_innen aufriefen eigene raps zu deutschen klassiker_innen einzubringen. die grundlegende idee zu diesem konzept des klassiker_innenraps entstand aus dem anspruch

Wege [zu] zeigen, wie alt und neu, alt und jung zusammenfinden. Vorurteile gegenüber Hip Hop sowie einem Weltkulturerbe, wie es mit unseren Klassikern vorliegt, möchten wir aus dem Weg räumen und dabei Selbstbewusstsein, Respekt untereinander und vor allem Freude am Wissen vermitteln.”

so hätte ich auch gern den zauberlehrling gelernt, oder mich mit themen wie umweltschutz und geographie auseinander gesetzt. hier noch videobeispiele der neuen lehrenden:

erster teil der doku zu rapucation:

zweiter teil der doku zu rapucation:

doppel-U – rap macht schule: der zauberlehrling

weitere links: myspace von rapucation

22.05.2008: schul- und unistreik in berlin

flyer für den bildungsstreiktag

am 22.05.2008 heißt es, für bessere bildungsbedingungen an schulen und universitäten auf die straße zu gehen.

weitere hintergrundinformationen und links findet ihr bei indymedia und auf schulaction.

mehr kritische wissenschaften an die hochschulen und universitäten

karl heinz heinemann äußert sich im interview "kritische wissenschaft unerwünscht " kritisch zur derzeitigen entwicklung an den hochschulen in deutschland. "Momentan geht es ausschließlich darum, die Studierenden "fit" zu machen für sehr begrenzte Aufgabenbereiche. Mögliche Alternativen und konkurrierende Bildungsentwürfe werden da einfach ausgeschlossen." 

desweiteren stellt er die derzeitige enge verknüpfung von wirtschaft, politik und wissenschaft in frage: "Ich denke, es käme jetzt darauf an, der Wissenschaft wieder eine größere kritische Distanz zu verschaffen – gegenüber der Politik, aber vor allem auch gegenüber der Wirtschaft, die das Leitbild der unternehmerischen Hochschule flächendeckend durchsetzen will."

ein lesenswerter artikel von torsten stegemann bei TELEPOLIS

die freie (exzellenz)universität berlin trennt sich von fachbereichsbibliotheken

(flickrbild von horitzons inesperates)

die schließungswelle von bibliotheken in berlin macht auch nicht vor der freien (exzellenz)universität halt. das präsidium der freien universität setzt auf zentrale aufstellung der bücher an der freien universität berlin. so meldete der asta der fu am 18.12.2008:“Das Präsidium der Freien Universität hat in einem Alleingang beschlossen, alle Bibliotheken des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften (Politikwissenschaften, Soziologie, Ethnologie und Publizistik) zusammenzulegen und in das Gebäude der zentralen Universitätsbibliothek (UB) einzugliedern. Die bisherige UB soll im Rahmen einer Renovierung als PolSoz-Fachbereichsbibliothek umgestaltet werden, denn mit der bis 2020 geplanten Umstrukturierung sollen die bisherigen 130 Bibliotheken der FU auf 20 Fachbereichsbibliotheken reduziert werden (erstes Beispiel: die Philologische Bibliothek).” weiterlesen

gegen diese fragwürdige bildungspolitik regt sich nun an der freien universität widerstand.

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