gestank vs. wohlgeruch oder bibliotheken vs. internet

sehen - wos stinkt

sehen - wo's stinkt

rasee takana gehört zur “ersten Generation Volljähriger, die sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen kann.” zu der gehöre ich auch und trotzdem kann ich mit dem text, den resee takana im kölner stadtanzeiger veröffentlicht hat, nichts anfangen. auch wenn ich auf diesen im volltext zugreifen kann, ohne “zur Bücherei zu marschieren”.

die autorin erliegt dem blinden glauben, dass “man auch alles online viel schneller haben kann?” und sich der beschwerliche weg in die bibliotheken generell erübrigt. neben dem bequemeren zugang (zum internet) spricht für die verfasserin der geruch gestank in bibliotheken gegen eine benutzung:

Und dann noch der Gestank. Schon als Kind fand ich diese dicken alten Schinken einfach nur eklig. Diese Leute, die mir ständig erzählen, wie toll der Geruch von 1000 Blatt Papier sei; wie sinnlich das Gefühl des Umblätterns von Papier im Gegensatz zum Internet-Scrollen – die gehen mir einfach auf den Keks. Waren die eigentlich noch nie in einer Parfümerie?

sicherlich kann es auch sein, dass rasee takana an dem tag, an dem die mitschüler_innen ihrer schulklasse während eines besuchs in der bibliothek die grundlagen der benutzung kennenlernen durften, nicht mit dabei war. und so stellt sie verzweifelt fest:

Verloren in der Bibliothek stehe ich da, umgeben von unzähligen Regalen, und suche vergeblich nach einem Buch. Es stehe im Regal SIMV IV, hieß es. Bitte ich um Hilfe, so erhalte ich Codes, die sich „gleich hinten, um die Ecke“ befinden sollen.

auch die bücher, die in der stinkigen bibliothek herumstehen bereiten rasee, als vertreter_in der internetgeneration, große probleme:

Während ich in der Bibliothek für meine Facharbeiten nur Wälzer mit fremdwort-gespickten Bandwurmsätzen finde, legt mir das Internet eine Auswahl verschiedener literarischer Genres vor, vom Interview bis zum Diskussions-Forum, in dem man Experten fragen kann.

nase zu und durch!

nase zu und durch!

versöhnt wird die autor_in erst, als sie

[a]m Ende der Regalschluchten [...] auf einmal Licht [sieht]. Da steht ein Computer! Bücher hin oder her, am Ende lande ich doch wieder im Internet, sogar im Heiligtum des bedruckten Papiers. Warum denn nicht gleich!

scheinbar braucht es mehr und intensivere zusammenarbeit von bibliotheken mit allen bildungseinrichtungen und intensive  öffentliche kampagnen zu den angebote von bibliotheken gegenüber einiger (nicht)nutzer_innen. wäre rasee takana zum schreiben des textes in eine der kölner bibliotheken gegangen und wäre sie nicht nur den quellen ihrer internetrecherechen und ihrem antiquierten bibliotheksbild gefolgt, wie hätte dieser text dann ausgesehen?

dit was! – letztes mal vorhang auf im berliner wintergarten varieté

dit was!

dit was!

so ein varieté ist kein automobilkonzern, keine große bank und auch kein chiphersteller oder sonstwas. das wintergarten varieté bekommt deshalb auch keine unterstützung durch die sonst so spendierfreudig gewordenen politiker_innen.

Wenn die 2.000 Glühlampen an der Fassade und der Sternenhimmel im Saal nach 17 Jahren erlöschen, werden rund 2,5 Millionen Menschen den Unterhaltungspalast besucht haben. Zuletzt blieben allerdings zu viele der 500 Sitzplätze leer, um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können. Bereits im vergangenen Juni hatte Geschäftsführer Frank Reinhardt Insolvenz anmelden müssen. Das Vertrauen, dass sich die Produktionen und damit die Zeiten im Wintergarten in naher Zukunft bessern würden, hatten die Gläubiger offensichtlich nicht. Das Aus für die Traditionsbühne in der Potsdamer Straße und seine 68 Mitarbeiter war somit beschlossene Sache. “Wir haben alles versucht, aber es ist die traurige Wahrheit, dass es aus verschiedenen Gründen nicht gereicht hat”, sagte Reinhardt Anfang Januar. (taz)

mit feuer gegen den untergang?

mit feuer gegen den untergang?

am 31.01.2009 fiel im berliner wintergarten der letzte vorhang und gerüchten zufolge soll nun in das gebäude ein baumarkt einziehen. ich hatte das große glück gemeisam mit mitarbeiter_innen und freund_innen des varieté im rahmen einer crew-party abschied zu nehmen. ich verbrachte einen wunderbaren abend und fühlte mich durch diese show bestens unterhalten. besser als durch das eine oder andere reguläre  progamm im wintergarten.

also ein herzliches dankeschön an die mitarbeiter_innen für den kampf um den erhalt des wintergartens und einen unvergesslichen abschiedsabend. war es das? oder gibt es doch doch noch eine rettung?

Im Wintergarten bereitet man sich auf die Abschiedsvorstellung vor. Zugleich bemühen sich die Mitarbeiter um eine Rettung des Theaters wie ihrer Arbeitsplätze. Sie wollen die Bühne ab dem 15. Februar gern in Eigenregie mietfrei mit dem Notprogramm “Hurra, wir leben noch” weiter bespielen und mit den Abendeinnahmen die laufenden Betriebskosten finanzieren.

Die Mitarbeiter hoffen dabei auf Hilfe durch Künstler und die Politik, namentlich den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). An ihn appellieren sie mit dem Werbeslogan “be Berlin – be Vielfalt – be Varieté!” Unterstützt werden die Mitarbeiter nach eigenen Angaben auch von Künstlern wie Georg Preuße (Mary), dem Comedian Eckart von Hirschhausen sowie den Regisseuren Christoph Hagel und Winfried Bauernfeind, dem langjährigen Regisseur an der Deutschen Oper Berlin. (taz)

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